Forschungsgebiet Bankenethik

Kulturwandel bei den Banken

Ansprechpartner für das Forschungsgebiet Bankenethik:
Klaus Leusmann
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 Telefon: +49-251-97128-808

Die Ethik als philosophische Teildisziplin hat bisher kaum in den Kerngebieten der Wirtschaftwissenschaften Berücksichtigung gefunden. So werden psychologische Erklärungs- oder Lösungsversuche von wirtschaftlichen Phänomenen oder Problemen immer noch gerne in das Reich der Metaphysik verwiesen, auch wenn die Prämissen des emotionslosen, stets zum eigenen Vorteil handelnden „homo oeconomicus“ längst widerlegt sind. Ein wesentlicher Grund dafür mag darin liegen, dass sich das Menschliche nicht so einfach in Formeln zur Ergebnismaximierung oder Erklärung von wirtschaftlichen Gleichgewichten integrieren lässt. Dabei hat schon der Philosoph und Nationalökonom Adam Smith vor über 200 Jahren in seinen beiden zentralen Werken, dem „Wohlstand der Nationen“ und der „Theorie ethischer Gefühle“ darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche Vorgänge in Kern immer auch eine ethische Dimension haben. Akerlof und Shiller haben uns in ihrem neuen Werk über die „Animal Spirits“ die Tatsache, dass wirtschaftliche Akteure „menschliche Wesen sind, die sich von nur allzu menschlichen Animal Spirits“ leiten lassen“, wieder deutlich vor Augen geführt (vgl. Akerlof/Shiller in „animal Spirits – Wie die Wirtschaft wirklich funktioniert, Frankfurt 2009, Seite 13).

Im Bankensektor erleben wir derzeit zwei Paradoxone, welche uns deutlich machen, dass den klassischen Wirtschaftswissenschaften eine wesentliche Erklärungsdimension fehlt und die Integration einer ethischen Dimension in die Steuerung und Regulierung dieses Sektors überfällig ist.

  1. Ein Topniveau von Risikosteuerungssystemen und eine noch nie dagewesene Regulierungsdichte gehen einher mit einer ebenfalls noch nie dagewesenen Anzahl an Bankpleiten bzw. existenzbedrohenden Krisen von Banken und den daraus resultierenden massiven Belastungen von Steuerzahlern und Realwirtschaft.
  2. Gerade größere, internationale Universalbanken mit nicht unerheblichen Reputationsschäden, die für sich in Anspruch nehmen, das beste und zwangsläufig auch bestbezahlte Personal zu haben, weisen im Vergleich z. B. zu den regionalen Retailbanken in Deutschland über die vergangenen 10 Jahre eine niedrigere durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität bei einer höheren Ergebnisvolatilität auf.

Das Buch „Kulturwandel bei den Banken – Wege zu Ethik und Verantwortung im Kreditgewerbe“ nimmt diese Thematik auf und schlägt eine Integration ethischer Kriterien in die Ziel- und Steuerungssystematik von Banken in Form eines aufsichtsrechtlich flankierten Ethikratings vor. Dabei werden die Kriterien für das Ethikrating aus den analysierten Ursachen für den Vertrauensverlust in die Branche und die erlebten Existenzkrisen betrachteter Banken abgeleitet. Ziel eines solchen Vorgehens ist es, über eine intrinsische Motivation zu ethischem Handeln am Ende über eine marktwirtschaftliche Lösung die beiden Paradoxone aufzulösen und das Dilemma einer überbordenden Detailregulierung mit den entsprechenden negativen Konsequenzen zu vermeiden.

Das zitierte Buch ist jedoch lediglich als Auftakt in eine Entwicklung zu verstehen, die hinsichtlich ihrer weiteren wissenschaftlichen Fundierung noch am Anfang steht. Abgesehen davon, dass die zeb.business school das Thema der Bankenethik in der Marktwirtschaft auf Basis der bisherigen Erkenntnisse im genannten Werk zum Gegenstand ihres Masterstudiums macht (Wahlmodul in der Vertiefung Bankmanagement) ist es daher nur konsequent, wenn sie diese Thematik auch zu einem Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeiten macht.

Entsprechend den beiden o.g. Paradoxonen werden zwei Forschungszweige aufgenommen. In einem ersten Zweig sind, ausgehend von den im „Kulturwandel bei den Banken“ vorgeschlagenen Kriterien, die angenommenen Zusammenhänge zum Vertrauensverlust gegenüber der gesamten Branche, den erlebten Existenzkrisen sowie gesellschaftlichen und realwirtschaftlichen Belastungen bestmöglich zu validieren und damit die Basis für das vorgeschlagene aufsichtsrechtlich flankierte Ethikrating zu verbessern. Es gilt den Nachweis zu erbringen, dass die Kernfunktion der Bankenaufsicht gem. § 6 Abs. 2 KWG über ein solches Ethikrating besser erreicht werden kann, als über ein weiterhin exponentielles Wachstum der Detailregulierung. Im zweiten Zweig wird parallel der Zusammenhang zwischen den Ethikkriterien und der Höhe sowie Volatilität des wirtschaftlichen Erfolges untersucht.

Können die Ethikkriterien und deren Gewichtung aus beiden Forschungszweigen ineinander überführt werden, wäre die Konsequenz eine weitgehende Auflösung vermeintlicher Interessenkonflikte zwischen Aufsicht und Banken. Der Anreiz zur Aufsichtsarbitrage müsste sich in der Konsequenz in sein Gegenteil verkehren.

Autor: Klaus Leusmann, Dozent für Bankenethik an der zeb.business school.

Vorwort zum Buch „Kulturwandel bei den Banken – Wege zu Ethik und Verantwortung im Kreditgewerbe“
zeb.business school Research

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