Forschungsbeispiel Health Care

Mit besseren Arbeitsbedingungen Fachärzte binden

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joachim Hasebrook
 E-Mail: jhasebrook@zeb-bs.de
 Telefon: +49-251-97128-940

Universitätskliniken bilden das Rückgrat der medizinischen und wirtschaftlichen Leistung von Krankenhäusern: Sie qualifizieren Fachärzte, stellen medizinische Forschung sicher und erbringen eine hochspezialisierte Maximalversorgung, die andere Häuser nicht übernehmen können (z. B. in der Transplantations-, Neuro- und Herzmedizin). Dieser dreifache Auftrag muss trotz eines wachsenden Facharztmangels bewältigt werden: Heute sind rund 5.500 Arztstellen in Krankenhäusern unbesetzt, bis 2019 werden sich Ersatz- und Mehrbedarf auf 30.000 Stellen summieren. Die Facharzttätigkeit im Universitätsklinikum bedingt eine hohe Arbeitsbelastung, die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und individueller Flexibilität erschwert. Die Situation wird sich weiter verschärfen, weil Patienten im Schnitt älter und kränker werden, und weil Fachärzte und Fachärztinnen in kleineren Kliniken, im Ausland oder außerhalb der kurativen Medizin attraktivere Arbeitsbedingungen finden können.

Ein Wandel an Universitätskliniken hin zu einer längerfristigen Erwerbsbiografie des ärztlichen Personals hat begonnen, ist aber nicht schnell und nachhaltig genug für die steigenden Herausforderungen: Frauen stellen heute mehr als 70 % der Medizinstudienanfänger, über 10.000 neue Teilzeitstellen für Fachärztinnen und Fachärzte müssen Prognosen zufolge bis 2019 entstehen. Um hierfür ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu binden, ist ein qualitativer Sprung in den Arbeits- und Fortbildungsbedingungen erforderlich. Dafür ist ein nachhaltiger Innovationsprozess notwendig, der Lösungen auch außerhalb des Gesundheitsbereichs einbezieht, um aus Erfahrungen und Fehlern anderer Branchen lernen zu können.

Ziel des Projekts „Facharzt Plus“ ist es, geeignete Maßnahmen zu finden, um Fachärztinnen und Fachärzte nach Abschluss der fünf- bis sechsjährigen Weiterbildung für weitere fünf Jahre (oder mehr) zu binden. Hierzu soll insbesondere die Eignung von karrierebegleitenden Zusatzqualifizierungen und einer an Lebensphasen orientierten, kompetenzbasierten Arbeitsorganisation ermittelt werden. Eine längerfristige Perspektive nach der Weiterbildung unterstützt nicht nur die Bindung, sondern auch die Gewinnung von Fachärztinnen. Um dies zu erreichen, sollen mit Hilfe der Unternehmensberatung zeb. Vergleiche bezüglich anderer Branchen mit Fachkräftemangel vorgenommen und wirksame, praxisbezogene Lösungskonzepte entwickelt werden. Die in den Lösungen enthaltenen Maßnahmen, Methoden und Instrumente werden auf ihre Übertragbarkeit hin untersucht, anschließend wird eine detaillierte Umsetzungsplanung für besonders Erfolg versprechende Maßnahmen erarbeitet. Diese Maßnahmen werden in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster (UKM) mit rund 150 Ärztinnen und Ärzten, darunter 60 mit Facharztqualifikation, umgesetzt. Bei positiven Wirkungen werden die Maßnahmen bei den Valuepartnern (Uni Rostock, RWTH Aachen) und den weiteren 44 Kliniken des UKM mit seinen rund 8.000 Mitarbeitern übernommen sowie den 22 Lehrkrankenhäusern vorgestellt. Eine weitere Verwertung erfolgt in Fachverbänden, Kammern und auf Kongressen.

 

Prof. Dr. Joachim Hasebrook

Empfehlung von Prof. Dr. Joachim Hasebrook

Akademischer Leiter der zeb.business school.